
„Wer sich selbst beherrscht, ist besser als einer, der Städte einnimmt.“
– Salomon
Ich hatte die Schnauze voll.
Von wem?
Von mir selbst.
Denn ständig nahm ich mir etwas vor – doch tat es nicht.
Ich lenkte mich ab, spielte Computer, schaute Youtube oder scrollte durch Twitter.
Ich tat alles.
Nur nicht das, was ich mir vorgenommen hatte.
Selbstdisziplin?
Gleich Null.
Deshalb habe ich diesen Artikel in erster Linie für mich geschrieben.
Um mich selbst zu verstehen.
Und um meine Gedanken, Erkenntnisse und vor allem Methoden mit dir zu teilen.
Deshalb ist dieser Artikel frei von großen Zeigefingern und Phrasen.
Dieser Artikel kommt aus der Praxis für die Praxis.
Bereit?
Für eine Reise in die Welt der Selbstdisziplin, sodass du eines Tages in den Spiegel schauen wirst und dich selbst wundern wirst, wie weit du gekommen bist?
Dann lies weiter…
Teil 1: Der wahre Grund, warum du keine Selbstdisziplin hast
Ich habe eine Sache sehr lange falsch verstanden.
Und zwar dachte ich:
„Wenn ich mich erhole und ein bisschen in mein Handy starre, dann tanke ich auf.“
Nach dem Motto:
Ich lade meinen Akku auf.
Und danach habe ich einen Haufen Disziplin, um alle wichtigen Aufgaben zu erledigen.
Falsch !
Mein Leben lang habe ich falsch gedacht.
Übrigens: Das ist auch das falsche Versprechen der Urlaubsindustrie, die behauptet, dass du deine „Akkus“ aufladen musst.
Spoiler:
Du hast keine Akkus.
Da gibt es nichts zum Aufladen.
Das ist nur eine Lüge von Unternehmen, die dir allerlei verkaufen wollen, um „aufzutanken“.
Du merkst es doch selbst:
Schau einen ganzen Tag Netflix. Sitz den ganzen Tag auf der Couch. Iss nur Pizza und Chips mit Cola.
Wie fühlst du dich?
Aufgeladen?
Nein !
Ausgelaugt.
Warum?
Weil du nicht deinen Akku geladen hast.
Sondern ein Monster gefüttert hast.
Wenn du das einmal verstanden hast, dann wirst du nie wieder in dieses alte Denkmuster zurückfallen.
„Ich muss nur auftanken, dann mache ich das schon…“
Quatsch.
Mit „noch einer Folge“ auf Netflix hast du nicht aufgeladen, sondern das Monster der Faulheit gefüttert.
Mit „noch eine Runde Computerspielen“ hast du das Aufschieberitis-Monster gefüttert.
Die wissenschaftliche Theorie dahinter erklärt dir Dr. K in diesem Video1https://www.youtube.com/watch?v=OwlXbUYDf0w.
Wer hätte gedacht, dass ein altes Sprichwort der Indianer heute so aktuell sein wird:
Das Geheimnis der Selbstdisziplin: die zwei Wölfe
Ein alter Häuptling sprach zu einem jungen Mann, der ständig in Schwierigkeiten geriet und sein Leben nicht in den Griff bekam.
„In deinem Inneren kämpfen zwei Wölfe. Ein guter Wolf aus Liebe, Freude und Güte. Ein böser Wolf aus Hass, Neid und Angst.“
„Welcher dieser zwei Wölfe wird siegen?“, fragte der junge Mann.
„Der, den du fütterst.“
Und so ist es auch mit der Selbstdisziplin:
Diszipliniertes Handeln führt zu noch mehr Disziplin.
Faulheit führt zu noch mehr Faulheit.
Klingt nach einem Teufelskreis?
Keine Sorge.
Du kannst diese Spirale durchbrechen.
In Teil 3 zeige ich dir 8 Methoden, um deine Selbstdisziplin zu stärken.
Jetzt musst du erstmal eine Sache verstehen:
Keine Erholung der Welt wird dir mehr Selbstdisziplin geben.
Denn du bist kein Auto.
Du tankst nicht auf.
Du bist ein Lebewesen.
Heißt: Du trainierst deine Muskeln.
Die wissenschaftliche Erklärung dahinter nennt sich Reinforcement (Deutsch: Bekräftigung).
Hier ein Artikel, der Studien dazu zusammenfasst.2Reinforcement ist ein mächtiges Werkzeug. Ein Artikel mit allen wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen dazu: https://www.lesswrong.com/posts/GGn8MBiY8Xz6NdNdH/the-power-of-reinforcement
Schritt 1:
Schreibe all die Dinge auf, bei denen du den „bösen Wolf“ fütterst.
- TikTok
- Youtube
- Computerspiele
- Serien
- Reddit-Scrollen
- etc.
Sei ehrlich.
Jede Veränderung beginnt mit der Wahrheit.
Schau dir die Liste an.
Wir werden in diesem Artikel dafür sorgen, dass auch dein guter Wolf etwas zu essen bekommt und mit der Zeit immer stärker und stärker wird.
Bereit?
Dann hier noch ein Grund mehr für dich, um deine Selbstdisziplin zu steigern:
Teil 2: Die unfassbare Macht der Selbstdisziplin
Achtung: Wenn du mehr Selbstdisziplin hast, dann wirst du mächtiger.
Ja, du hast richtig gelesen.
Wenn du Selbstdisziplin entwickelst, dann hast du nicht nur Macht über dich selbst.
Sondern andere werden dir mehr Macht geben.
Das haben zahlreiche Studien bewiesen (https://psycnet.apa.org/record/2024-47709-001)
Das habe ich auch privat erfahren:
Auf einer Klassenfahrt unter Zivis war ich der Einzige, der keinen Alkohol trank und nachts nicht feiern ging.
Wem wurde später der Schlüssel und die Kasse – und die Xbox – anvertraut?
Mir.
Ich war somit die mächtigste Person im Raum – weil ich mich selbst beherrschen konnte, vertrauen mir die anderen mehr.
Fang an, dir selbst zu vertrauen
Ganz viele Menschen haben ein sehr niedriges Selbstvertrauen.
Warum?
Weil sie sagen, dass sie etwas tun werden – und tun es dann nicht.
Klar, das macht dich in den Augen der anderen unzuverlässig.
Doch das ist nicht das Schlimme.
Das Schlimmste ist, dass du dir selbst nicht mehr vertrauen kannst.
Weil du deinem eigenen Wort nicht treu warst.
So sinkt dein Selbstvertrauen.
Der Weg zu mehr Selbstvertrauen ist deshalb einfach: Selbstdisziplin.
Wenn du etwas sagst und es dann erfüllst.
Danach fühlst du dich wie Superman, Hulk und Thor in einem.
So.
Die Frage ist:
Wie erhöhst du deine Selbstdisziplin?
Ich stelle dir hier mehrere Mechanismen vor, die alle Teil eines großen Puzzles sind.
Du kannst mit einer Technik anfangen.
Und dann die anderen Stück für Stück umsetzen.
Mach jeden Tag einen Schritt in die richtige Richtung – und du wirst ankommen.
Die Frage ist dann nicht ob – sondern wann.
Deshalb:
Es geht hier nicht um Perfektion.
Es geht um Annährung.
Und nun zu den Techniken, die bei mir funktioniert haben (und wissenschaftlich belegt sind):
Teil 3: So erhöhst du deine Selbstdisziplin
1. Trainiere den Selbstdisziplin-Muskel
Studien haben gezeigt:
Selbstdisziplin ist wie ein Muskel. Du kannst sie also trainieren.
Wie?
Im Grunde durch alles.
Jeder kleine Akt, wo du dich selbst begrenzt, eine Belohnung verzögerst und sogar verzichtest (siehe Askese), stärkt deinen Muskel.
Hier die Quelle: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2855143/
Ein Beispiel aus meinem Alltag:
Ich esse zuerst das Grünzeug.
Dann alles andere.
Ist das ein großer Akt?
Nein.
Doch es ist ein kleiner Akt, um meine Selbstdisziplin zu stärken. Denn der erste Impuls ist: Ich will zuerst das Fleisch und die fettigen Kartoffeln essen.
Doch indem ich mit dem Grünzeug anfange, mache ich eine Mini-Trainingseinheit für meinen Selbstdisziplin-Muskel.
Hier noch mehr Beispiele für dich, wie du deinen Selbstdisziplin-Muskel im Alltag trainieren kannst:
- Verzichte nicht auf die gesamte Mahlzeit – nur auf den Dessert.
- Solange dein Essen in der Mikrowelle aufgewärmt wird, machst du Liegestütze.
- Schalte einen Film (oder Serie) mittendrin aus.
- Iss das Stück Kuchen nicht ganz auf. Lass ein Stück für morgen.
- Iss nicht mit deiner dominanten Hand
- Korrigiere deine Haltung mehrmals am Tag
- Lies ein Buch (Lesetipp: Besteller-Bücher für Männer)
Such dir eine kleine Sache aus.
Und mache sie regelmäßig.
Dann fallen dir später auch große Aufgaben leichter.
Weil du deinen Selbstdisziplin-Muskel gestärkt hast.
2. Selbstdisziplin ist eine zarte Pflanze
Der Mensch ist ein soziales Wesen.
Und der Mensch ist massiv abhängig von seinem Umfeld.
Wie eine zarte Pflanze von ihrer Erde abhängig ist, so ist deine Selbstdisziplin von deinem Umfeld abhängig.
Du glaubst das nicht?
Dann bist du entweder arrogant oder naiv.
Schau selbst:
In einer Bibliothek bist du automatisch leise.
Im Stadtion bist du automatisch laut.
Du bist die gleiche Person, doch das Umfeld hat sich verändert – und damit auch dein Verhalten.
Ob du es willst oder nicht:
Dein Verhalten hängt von deinem Umfeld ab.
Also, was tun?
Sich dem Umfeld ergeben, herumheulen und sich als Opfer fühlen, weil man ein schlechtes Umfeld hat?
Nein.
Du hast die Macht, dein Umfeld zu verändern.
Und du solltest es tun, wenn dein Umfeld deine Selbstdisziplin nicht fördert.
So machst du es:
- Umziehen, ausziehen, wegziehen. Wenn du als 30-jähriger Mann noch bei Mama wohnst, dann fördert das nicht deine Selbstdisziplin. Bedeutet: Ausziehen. Wenn du in einer Gegend lebst, wo alle von früh bis spät saufen, Drogen verkaufen und sich prügeln, dann fördert das nicht deine Selbstdisziplin. Bedeutet: Wegziehen. Wenn es in deinem Umfeld (Dorf) keine Chancen, keine Jobs und keine Netzwerkmöglichkeiten gibt, dann heißt das umziehen.
- Freundeskreis wechseln. Ich weiß, das klingt immer so herzlos. Doch nur, wenn du nicht verstehst, was Freundschaft ist. Freunde haben gleiche Werte. Sie stehen Schulter an Schulter und schauen in die gleiche Richtung. Wenn sich deine Werte ändern sollen, dann muss sich auch dein Freundeskreis ändern. Jeder, der mir sagt, dass er sein Leben ernsthaft verändern will und mit den alten Jungs abhängt, der meint es einfach nicht ernst.
- Arbeitsplatz wechseln. Hör auf, daraus so ein Drama zu machen. Wenn das Umfeld nicht dein Wachstum fördert, dann kündige einfach und such dir was Neues. Mach daraus keinen Weltuntergang. Alle Kollegen auf deiner Arbeit saufen nach Feierabend, fluchen, rauchen und ziehen sich Pornos in der Pause rein, während du versuchst mehr Selbstdisziplin aufzubauen? Wird langfristig nicht funktionieren. Nach unten ziehen ist immer leichter als nach oben. Wechsele einfach den Job.
Du siehst:
Bei der Selbst-Disziplin geht es nicht nur um das „Selbst“, sondern ganz auch ganz viel um das Umfeld.
Hier ein paar wissenschaftliche Beweise, dass dein Umfeld dich beeinflusst:
- Wenn du von mehr Natur und natürlichen Materialien umgeben bist, dann lernst du besser.3https://www.fundacionmapfre.org/en/education-outreach/health-wellness/emotional-wellbeing/why-are-our-surroundings-important-to-our-well-being/
- Ein aufgeräumteres Zuhause sorgt für bessere mentale Gesundheit 4https://www.fundacionmapfre.org/en/education-outreach/health-wellness/emotional-wellbeing/why-are-our-surroundings-important-to-our-well-being/
- Laute Geräusche in deiner Umgebung sorgen dafür, dass du dich nicht fokussieren kannst 5https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6901841/#:~:text=Effect%20of%20Noise%20levels%20on%20Mental%20Workload&text=At%2070%20dBA%20level%2C%20compared,significant%20(P%20%3D%200.03).
Das ist nur eine Auswahl.
Es soll zeigen:
Dein Umfeld beeinflusst dich.
Ob du das willst oder nicht.
Und damit kommen wir zur nächsten Technik für mehr Selbstdiziplin:
3. Baue Leitplanken für deine Selbstdisziplin
Leitplanken am Straßenrand sorgen dafür, dass ein Auto nicht aus der Bahn fliegt.
Doch Leitplanken sind keine Wunderstangen.
Wenn ein Auto mit 120 km/h frontal auf eine Leitplane zurast, dann durchbricht das Auto die Leitplanke und fliegt ins Nirvana.
Heißt:
Leitplanken sind nicht dafür da, um absichtliche Angriffe abzuwehren.
Sondern um die Folgen von Fehlern und Schwäche zu minimieren.
Was heißt das für dich?
Installiere Leitplanken für deine Willenskraft.
Dr. Benjamin Hardy nennt das „Forcing Functions“.
Was sind Forcing Functions?
Eine berühmte Forcing Function ist dein Rasenmäher.
Dort gibt es zwei Griffe, die du halten musst, damit der Rasenmäher läuft.
So „zwingt“ dich das Design, das Richtige zu tun.
Übertragen auf den Menschen:
Du erschafft Umstände in deinem Leben, die dich dazu zwingen, das Richtige zu tun.
Beispiel?
Wenn du mehr Laufen möchtest, dann wäre eine Forcing Function, sich einem Laufclub anzuschließen. Sobald du mit den anderen auf dem Platz stehst und alle loslaufen, hast du keine andere Wahl als mitzulaufen.
So ziemlich jeder Sportverein ist eine Forcing Function – wenn du hingehst.
Und wenn du nicht hingehst, dann wäre eine Forcing Function, dass du für jedes verpasste Training eine Strafe von 100 Euro zahlen müsstest.
Deshalb existiert auch das Sprichwort: 50% des Erfolgs ist es, einfach nur zu erscheinen.
Weitere Beispiele für Forcing Functions:
- Verkaufe deinen Fernseher. So bist du gezwungen, dich anderweitig zu beschäftigen.
- Stell deinen PC in den Keller. So wird gelegentliches Zocken unmöglich.
- Bezahle einen Coach, der dich jeden Tag anruft und fragt, wie du dich ernährst.
- Zahle 100 Euro „Strafe“ an einen Freund, wenn du dich nicht an dein Wort hältst.
Wenn du sagst:
Das kann man doch alles auch umgehen !
Dann hast du recht.
Deshalb sage ich ja auch, dass Forcing Functions wie Leitplanken sind.
Sie sind dafür da, um dich in schwachen Momenten aufzufangen.
Sie sind nicht dafür da, um deine absichtliche Selbstsabotage zu verhindern.
Welche Forcing Functions habe ich bei mir zuhause installiert?
- Wir haben kein Internet zuhause. Meine Kinder können auf das Internet nur über meinen Hotspot zugreifen, wenn ich zuhause bin.
- Wir haben keinen Fernseher. Nur eine Leinwand. Diese wird nur am Wochenende heruntergefahren und bewusst genutzt. So können wir nicht „zwischendurch“ den Fernseher anmachen.
- Meine Kinder haben alle kein Smartphone. Nur Tastenhandys.
- Ich habe einen Coach, dem ich jede Woche meine Fortschritte berichte.
- Ich habe feste Termine für den Sport, wo ich mich mit anderen treffe und meine Frau kennt auch meine Trainingszeiten (wenn ich mal wenig Lust habe, zum Training zu gehen, dann wirft sie mich sanft aus dem Haus 🙂
Du siehst:
Du musst nichts Spektakuläres machen wie in den Wald ziehen oder in der Wüste leben.
Du musst lernen, dein „normales“ Umfeld so zu gestalten, dass es dir nützt.
Und nicht schadet.
Heißt:
Wenn du einen Moment hast, in dem du voll motiviert bist, nutze ihn nicht, um etwas zu machen wie Putzen, Aufräumen oder Arbeiten.
Sondern nutze diesen Moment der Motivation, um dein Umfeld zu gestalten, sodass du langfristig fleißig putzen, aufräumen und arbeiten kannst.
4. Der einsame Krieger und Selbstdisziplin
Ich bin den Halbmarathon mehrmals gelaufen.
Meine beste Zeit war: 1 Stunde 52 Minuten.
Wie habe ich das geschafft?
Ich bin drei mal die Woche laufen gewesen.
Vor der Arbeit.
Bei Regen.
Im Dunkeln.
Sogar am ersten Januar war ich joggen.
Woher habe ich die Selbstdisziplin genommen?
Aus der Rechenschaft.
Denn ich habe es nicht alleine gemacht, sondern mit zwei weiteren Freunden.
Ich konnte nicht im Bett liegen bleiben, weil ich wusste, dass sie auf mich im Regen warteten.
Andersherum konnten sie nicht im Bett bleiben.
Der Mensch ist schon ein komisches Wesen:
Wir brechen Versprechen an uns selbst viel schneller als Versprechen an andere.
Warum das so ist?
Keine Ahnung, jedenfalls ist das so und das solltest du dir zunutze machen.
Heißt:
Finde dir immer jemanden, dem du Rechenschaft ablegst.
Es kann eine Laufgruppe sein.
Ein Coach.
Ein Trainer.
Deine Eltern.
Dein Partner.
Entscheidend ist, dass er auch Rechenschaft einfordert und eben nicht einfach sagt:
„Ist nicht schlimm. Bleib doch einfach liegen. Wozu brauchst diese Lauferei?“
Nicht umsonst sagt ein altes Sprichwort:
„Willst du schnell gehen, gehe alleine. Willst du weit gehen, gehe mit anderen.“
Mein Rat:
Suche dir zu Beginn des Jahres keine Neujahrsvorsätze.
Suche dir zu Beginn des Jahres eine Gruppe von hochmotivierten Menschen, die sich gegenseitig Rechenschaft ablegen.
Du wirst schneller wachsen als Unkraut im Urwald.
5. Nutze deinen Zorn für mehr Selbstdisziplin
„In eurem Zorn sündigt nicht.“
So steht es in der Bibel.
Heißt:
Zorn an sich ist nicht das Problem.
Sondern wie wir ihn nutzen.
Wenn du im Stau stehst, dann macht sich Zorn in dir breit. Wie nutzt du ihn?
Du kannst „sündigen“ und die Menschen um dich herum beleidigen.
Oder die Bauarbeiter verfluchen, die die Straße abgesperrt haben.
Oder du nutzt deinen Zorn dafür, wofür er geschaffen wurde.
Nämlich?
Um Veränderung zu bewirken.
Doch häufig lenken wir den Zorn in destruktives Verhalten wie Schimpfen oder Fluchen.
Anstatt ihn in konstruktive Veränderung zu lenken.
So kannst du den Zorn nutzen, um dir fest vorzunehmen:
„Morgen stehe ich bereits um 6 Uhr auf und fahre dann los, wenn alle noch schlafen.“
So nutzt du den Zorn für mehr Selbstdisziplin.
Ich kann dir sagen:
Alle großen Veränderungen in meinem Leben brauchten auch diesen Zorn.
Jedoch nicht den destruktiven, sondern den heiligen Zorn.
Als ich wieder einmal meine Rechnungen nicht bezahlen konnte, wurde ich zornig.
Doch anstatt einfach zu schimpfen, schwor ich mir selbst: „So kann es nicht weitergehen !“
Ich nutzte diesen Zorn, um härter zu arbeiten, fleißiger zu sein und früher aufzustehen.
So baute ich mein Business. Holte mehr Kunden rein. Und sorgte dafür, dass ich so viel Geld verdiente, dass ich mir nie wieder um irgendeine Rechnung Sorgen machen muss.
Also.
Leugne deinen Zorn nicht.
Nutze ihn.
Für Veränderung.
Für Selbstdisziplin.
Wenn du das nächste Mal faul sein willst oder dich von der Arbeit ablenkst, dann denk an die peinlichen Momente ohne Geld.
Denk an die Scham, wenn du deine Rechnungen nicht bezahlen kannst.
Denk an die Enttäuschung in den Augen deines Partners.
Lass den Zorn in dir aufsteigen.
Und kanalisiere ihn in Selbstdisziplin und Produktivität.
6. Programmiere dein Gehirn für mehr Selbstdisziplin
Nun gehen wir etwas tiefer.
Mangelnde Disziplin kannst du kurzfristig mit Forcing Functions, Gruppendynamik oder einem Coach überwinden.
Doch langfristig wirst du immer wieder in dein altes Muster zurückfallen.
Du wirst zurück in den Standard-Modus von mangelnder Disziplin zurückgesetzt.
Vor allem, wenn die äußeren Kontrollmechanismen wegfallen.
Deshalb ist es so wichtig, dass du deine „Standard-Einstellungen“ veränderst.
Damit du nachhaltig und langfristig diszipliniert bist.
Auch wenn dich niemand beobachtet.
Wie das geht?
Du musst dein Denken umprogrammieren.
Ok, darüber gibt es ganze Bücher.
Ich gebe dir hier die Kurzfassung:
- Nimm eine alte Verhaltensweise, die für deine mangelnde Selbstdisziplin steht (zum Beispiel Arbeiten im Haushalt immer aufzuschieben).
- Nimm dir 5 Minuten.
- Denk an dieses alte Verhalten und sage: „Ich will nicht mehr dieser Mensch sein, der Aufgaben im Haushalt aufschiebt.“
- Dann stelle dir das neue Verhalten vor. Wie du sofort alles tust, was getan werden muss.
- Und sprich es aus: „Ich liebe es, Dinge sofort zu erledigen. Ich mache Hausarbeit direkt und nehme sie gerne in Angriff.“
Ja, das ist eine Form von Affirmation.
Und ja, Affirmationen können totaler Quatsch sein – können aber auch dein Leben verändern.
Was ist der Unterschied?
Eine Quatsch-Affirmation klingt so:
„Ich habe ein sauberes Zuhause.“
Hier legst du die Verantwortung auf ein unsichtbares Nichts ab. Die Umstände sollen sich selbst ordnen.
Das ist Quatsch.
Eine gute Affirmation zielt auf DEINE Handlung.
So:
„Ich räume gerne zuhause auf und räume sofort etwas weg, wenn es herumliegt.“
Wenn du Affirmationen nicht wie Hokus-Pokus behandelst und die Verantwortung abgibst, dann funktionieren sie sehr gut.
Um dein Verhalten nachhaltig zu verändern.
Weil du dein Denken und deine Standard-Einstellungen verändert hast.
So habe ich es getan:
Ich hatte nie Lust auf Arbeiten im und am Haus.
Dann fing ich an, eine Affirmation auszusprechen: „Ich liebe harte Arbeit. Ich mache Arbeiten am Haus gerne und schnell und schiebe sie nicht vor mir her.“
Ob du es glaubst oder nicht:
Seitdem mache ich wirklich Arbeiten am Haus viel öfter, schneller und ja sogar gerne.
(Frag meine Frau 🙂
7. Dein Warum für mehr Selbstdisziplin
Viktor Frankl sagte:
„Der Mensch sucht nicht in erster Linie, glücklich zu sein. Er sucht in erster Linie nach Sinn.“6https://www.landsiedel-seminare.de/coaching-welt/wissen/persoenlichkeiten/viktor-frankl.html#zitate
Heißt:
Wenn du auf eine Tätigkeit überhaupt keinen Bock hast, dann nicht weil sie anstrengend ist.
Oder weil du müde bist.
Sondern nur aus einem Grund:
Du siehst darin keinen Sinn.
Du kennst es aus der Schule: Am wenigsten Lust hattest du auf die Aufgaben aus dem Vertretungsunterricht – weil sie überhaupt nichts mit deinem echten Schulstoff zu tun hatten und deshalb sinnlos waren.
Genau so auf der Arbeit: Ein Freund erzählte mir, dass sein Chef gefühlt jede Woche seine Pläne änderte. Das führte dazu, dass die Arbeit der Vorwoche verworfen wurde. Das Team machte also gefühlt Woche für Woche sinnlose Arbeit.
Das Ergebnis?
Das halbe Team hat bereits gekündigt.
Experten nennen das „Entfremdung“.7https://www.researchgate.net/publication/374942985_Sinn_in_der_Arbeit_sinnvolle_Arbeit_und_berufliche_Identitat
Du distanzierst dich innerlich von der Aufgabe.
Auf der Arbeit führt das zu mehr Fehlzeiten, mangelndem Engagement und schlechter Leistung.8https://www.researchgate.net/publication/374942985_Sinn_in_der_Arbeit_sinnvolle_Arbeit_und_berufliche_Identitat
Was ich bemerkt habe:
Bei privaten Aufgaben ist das nicht anders.
Wir entfremden uns von Dingen, die wir uns vorgenommen haben.
Beispiel?
Deine Freunde weisen dich immer wieder mal auf dein Fettpolster an der Hüfte hin. Du nimmst dir also am 1. Januar vor, endlich mal wieder joggen zu gehen.
Das machst du auch 3 Mal.
Hörst dann jedoch auf.
Warum?
Meist liegt es daran, dass du oberflächlich einen Sinn darin siehst: „Man sollte mehr Sport treiben.“
Jedoch siehst du nicht deinen Sinn.
Dieser „Sinn“ wurde dir von außen aufgedrängt. Und deshalb bist du von ihm nicht wirklich überzeugt.
Wirklich überzeugt lautet folgender Satz:
„Ich bin ein starker und gesunder Vater, der für seine Kinder ein Vorbild und für die Ehefrau ein attraktiver Partner ist.“
Das ist mein Sinn hinter Sport.
Ich möchte meine Frau in die Arme nehmen und über die Türschwelle tragen können – auch nach 15 Jahren Ehe.
Solange du jedoch einen Glaubenssatz im Kopf hast, der aus einem „man“-Satz besteht – ist es oft nur ein aufgezwungener Sinn, aber nicht dein Sinn.
Also…
Finde deinen ganz persönlichen Sinn in der Aufgabe vor dir.
Wenn du selbst nach langem Suchen herausfindest, dass die Aufgabe vor dir sinnlos ist, dann brauchst du auch keine Selbstdisziplin, sondern den Mut die Aufgabe abzugeben oder einfach zu streichen.
Beispiel?
Blumen gießen.
Meine Frau und ich haben beide keine Lust, Pflanzen bei uns zuhause zu gießen. So starben die Pflanzen bei uns immer. Egal welche.
Sogar Kakteen trockneten aus.
Deshalb sind wir auf künstliche Pflanzen umgestiegen.
Meist gibt es dann Kommentare wie „aber man sollte echte Pflanzen zuhause haben“.
Da ist er wieder – der „man“-Satz.
Das sind immer aufgezwungene Glaubenssätze.
Meine Antwort: „Du kannst gerne echte Pflanzen haben. Ich und meine Frau haben uns entschieden, künstliche Pflanzen zu besitzen, weil wir keinen Sinn darin sehen.“
So haben wir eine „klassische Hausaufgabe“ einfach gestrichen.
Und brauchen dafür keine Selbstdisziplin mehr.
Und damit kommen wir zu meinem wichtigsten Ratschlag für mehr Selbstdisziplin:
8. Entferne sinnlose Energiefresser, um deine Selbstdiziplin zu entfesseln
Frage:
Welche „To-Dos“ kannst du von deiner To-Do-Liste streichen, die dir andere Menschen aufgedrückt haben?
Denn:
Vor allem Aufgaben, die für uns keinen Sinn ergeben und von anderen delegiert wurden, fressen sehr viel Willenskraft.
Wir müssen uns überwinden.
Und alle unsere Selbstdisziplin aufbringen, um das Regal einzuräumen, das eigentlich der Kollege einräumen musste.
Ich verrate dir mal etwas:
Hier brauchst du nicht mehr Selbstdisziplin.
Sondern Mut, Nein zu sagen.
Mut, Grenzen zu setzen.
Mut, deine Wünsche zu äußern.
Mut, Aufgaben zu delegieren.
Wenn du mich fragst:
Das ist der mächtigste Weg zu mehr Selbstdisziplin.
Denn so setzt du Energie frei für die Dinge, die dir wirklich wichtig sind.
Tipp:
Unnötige Aufgaben erkennst du oft an einem „man“-Satz.
„Man sollte jede Woche den Boden zuhause waschen.“
„Man sollte nur beim Bauern Milch kaufen.“
„Man sollte die Eltern jedes Wochenende besuchen.“
„Man sollte jeden Geburtstag ausgiebig feiern.“
Die Liste ist unendlich.
Jedes Mal, wenn du einen „man“-Satz in deinem Kopf entdeckst, dann schreibe ihn auf.
Und entscheide, ob du ih behalten willst.
Meine Erfahrung ist:
Meistens können die weg.
Und dann hat du Zeit, Energie und die nötige Disziplin, um das zu tun, was dir wichtig ist.
Ich wünsche es dir.
Sei großartig,
Dein Walter
PS
Wenn dir der Artikel weitergeholfen hat, dann freue ich mich, wenn du ihn mit deinen Freunden teilst.
PPS
Hier sind weitere Artikel, die dir helfen werden, ein lebendiges Leben zu führen:
- Askese: Die moderne Superkraft
- Lebensweisheiten: 99 Sprüche, die dich zu wahrer Größe führen
- Glücklich sein: 10 wissenschaftlich fundierte Regeln
- Erfolg: Die 25 ewigen Gesetze des Erfolgs
- 20 Mutter Teresa Zitate, um zu leben und zu lieben
- 14 Zitate von Benjamin Franklin voller Weisheit und Klarheit
- 10 Bücher zur Persönlichkeitsentwicklung
- Die wichtigsten Bücher für Männer
- Ich habe 100+ Sterbende begleitet. Diese 11 Lebensweisheiten habe ich von ihnen gelernt. - 2. April 2026
- Das uralte Geheimnis, das dich im Leben weiter bringt als jedes 10.000€-Coaching-Programm - 5. Februar 2026
- Selbstdisziplin: Die ultimative Anleitung, die ich für mich selbst geschrieben habe - 22. November 2024
Hey Walter,
den Artikel hättest du besser schon vor 4 Monaten veröffentlicht.
Bei mir hat’s am technischen Unvermögen geschleift. Einhergehend mit Aufschieberitis.
Letztendlich habe ich mir doch oft genug in den Hintern getreten und mir Hilfe gesucht, um endlich in Gang zu kommen.
Was soll ich sagen.
In den letzten Tagen habe ich nicht viel von der thailändischen Sonne gesehen.
Entweder ich habe ganz eifrig „Hack Google“ vom Herrn Baron höchstpersönlich geäugt oder fleißig in die Tasten gehauen.
Ergebnis: Meine Webseite ist online und meinen ersten Artikel habe ich gerade veröffentlich.
Yay.
Jetzt bin ich sowas von froh, dass ich das Ding gerockt habe, und freue mich schon auf Morgen, wenn ich weiter an meiner Seite arbeiten kann.
Cheers aus Chiang Mai,
Annik
Hi Annik,
Freut mich, dass es bei dir in Gang gekommen ist. Und „Hilfe suchen“ ist wirklich ein ganz wichtiger Punkt, wenn du weiter kommen willst im Leben.
Dieses Gefühl kenne ich, wenn man sich richtig auf die Arbeit freut, weil man an etwas eigenem arbeitet 😀
LG, Walter
„Wir brechen Versprechen an uns selbst viel schneller als Versprechen an andere.
Warum das so ist?“
– Ich denke, weil uns unser Ansehen, in den Augen der andren Menschen um uns herum, sehr wichtig ist. Wir wollen nicht als Loser da stehen, die ihr Wort nicht halten.
Vielen Dank für dein Beitrag
Liebe Grüße
Ja, stimmt.
LG, Walter
Hallo Walter, dein Artikel ist unfassbar wertvoll. Ich danke dir, dass du deine Gedanken geteilt hast. Ich finde auch deine Lösungsansätze soo gut. Ich will ja auch einen starken Selbstbeherrschungsmuskel und er funktioniert auch schon ganz leidlich. Aber nun hat er neue „Geräte“ erhalten, ganz herzlichen DANK! Liebe Grüsse!
Hallo Zoe,
Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat und auch wertvoll für dich ist.
Ich wünsche dir viel Erfolg mit den neuen Werkzeugen 🙂
LG, Walter
Danke für den sanften Arschtritt. Den habe ich mal wieder gebraucht. Ich wäre dieses Jahr auch am 01.01. joggen gegangen, ist aber an einer Sprunggelenksverletzung gescheitert. Viel Erfolg dir weiterhin und Gottes Segen.
Ufff, gute Besserung und Gottes Segen für 2025.
LG, Walter